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Vier-Farben-Satz
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Der Vier-Farben-Satz (auch Vier-Farben-Theorem, frĂŒher auch als Vier-Farben-Vermutung oder Vier-Farben-Problem bekannt) ist ein mathematischer Satz und besagt, dass vier Farben immer ausreichen, eine beliebige Landkarte in der euklidischen Ebene so einzufĂ€rben, dass keine zwei angrenzenden LĂ€nder die gleiche Farbe bekommen. Der Satz findet Anwendung in der Graphentheorie, Topologie und Kartografie.

Dies gilt unter den EinschrĂ€nkungen, dass isolierte gemeinsame Punkte nicht als „Grenze“ zĂ€hlen und jedes Land aus einer zusammenhĂ€ngenden FlĂ€che besteht, also keine Exklaven vorhanden sind.

Contents

‱ Geschichte
‱ Kritik
‱ Bemerkung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Formalisierung

Formal lĂ€sst sich das Problem am einfachsten mit Hilfe der Graphentheorie beschreiben. Man fragt, ob die Knoten jedes planaren Graphen mit maximal vier Farben so gefĂ€rbt werden können, dass keine zwei benachbarten Knoten die gleiche Farbe tragen. Oder kĂŒrzer: „Ist jeder planare Graph 4-fĂ€rbbar?“ Dabei wird jedem Land der Karte genau ein Knoten zugewiesen und die Knoten angrenzender LĂ€nder werden miteinander verbunden.

Geschichte

Der Satz wurde erstmals 1852 von Francis Guthrie als Vermutung aufgestellt, als er in einer Karte die Grafschaften von England fĂ€rben wollte. Es war offensichtlich, dass drei Farben nicht ausreichten und man fĂŒnf in keinem konstruierten Beispiel brauchte. In einem Brief des Londoner Mathematikprofessors Augustus De Morgan vom 23. Oktober 1852 an den irischen Kollegen William Rowan Hamilton wurde die Vermutung erstmals diskutiert und veröffentlicht: „GenĂŒgen vier oder weniger Farben, um die LĂ€nder einer Karte so zu fĂ€rben, dass benachbarte LĂ€nder verschiedene Farben tragen?“

Der englische Mathematiker Arthur Cayley stellte das Problem 1878 der mathematischen Gesellschaft Londons vor. Innerhalb nur eines Jahres fand Alfred Kempe einen scheinbaren Beweis fĂŒr den Satz. Elf Jahre spĂ€ter, 1890, zeigte Percy Heawood, dass Kempes Beweisversuch fehlerhaft war. Ein zweiter fehlerhafter Beweisversuch, 1880 von Peter Guthrie Tait veröffentlicht, konnte ebenfalls elf Jahre lang nicht widerlegt werden. Erst 1891 zeigte Julius Petersen, dass auch Taits Ansatz nicht korrekt war. Heawood gab im Jahre 1890 mit der Widerlegung von Kempes „Vier-Farben-Beweis“ zusĂ€tzlich einen Beweis fĂŒr den FĂŒnf-Farben-Satz an, womit eine obere Schranke fĂŒr die FĂ€rbung von planaren Graphen zum ersten Mal fehlerfrei bewiesen wurde. In Kempes fehlerhaftem Versuch steckten bereits grundlegende Ideen, die zum spĂ€teren Beweis durch Appel und Haken fĂŒhrten.

Heinrich Heesch entwickelte in den 1960er und 1970er Jahren einen ersten Entwurf eines Computerbeweises, der aber mangels verfĂŒgbarer Rechenzeit nicht verwirklicht wurde.cite-ref-wilson-1-0[1] Dieser konnte von Kenneth Appel und Wolfgang Haken an der University of Illinois 1976 verbessert werden.cite-ref-2[2]cite-ref-wilson-1-1[1] Der Beweis reduzierte die Anzahl der problematischen FĂ€lle von Unendlich auf 1936 (eine spĂ€tere Version sogar 1476), die durch einen Computer einzeln geprĂŒft wurden. Nach Kritiken an diesem Beweis veröffentlichten Appel und Haken 1989 eine ausfĂŒhrliche Beschreibung mit einem 400-seitigen Anhang auf Mikrofilm.cite-ref-3[3]

1996 konnten Neil Robertson, Daniel Sanders, Paul Seymour und Robin Thomas einen modifizierten Computerbeweis finden,cite-ref-rsst96-4-0[4] der die FĂ€lle auf 633 reduzierte. Auch diese mussten per Computer geprĂŒft werden.

2005 haben Georges Gonthier und Benjamin Werner einen formalen Beweis des Satzes in dem Beweisassistenten Coq konstruiert.cite-ref-5[5]

Kritik

Der Vier-Farben-Satz war das erste große mathematische Problem, das mit Hilfe von Computern gelöst wurde. Deshalb wurde der Beweis von einigen Mathematikern nicht anerkannt, da er nicht direkt durch einen Menschen nachvollzogen werden kann und da man sich auf die Korrektheit des Compilers und der Hardware verlassen muss. Auch der Mangel an mathematischer Eleganz des Beweises wurde kritisiert. So Ă€ußerte schon im Jahre 1989 der Graphentheoretiker Horst Sachs explizit die Meinung, dass „die endgĂŒltige Lösung des Vierfarbenproblems noch aussteht“.cite-ref-lv-1-6-0[6] Die Kritik besteht auch in neuerer Zeit weiter und wurde etwa von dem britischen Mathematiker Ian Stewart bekrĂ€ftigt.cite-ref-is-1-7-0[7]

Beweisversuche

Einige bekannte Mathematiker haben sich an dem Beweis versucht. So berichtet Max Borncite-ref-8[8], dass Hermann Minkowski (1864–1909) ĂŒber mehrere Wochen einen Beweisversuch in einer EinfĂŒhrungsvorlesung fĂŒr Topologie unternahm (mit den einfĂŒhrenden Worten, dies wĂŒrde sich gut als EinfĂŒhrung in die Topologie eignen und daran hĂ€tten sich bisher nur Mathematiker dritten Ranges versucht), bis er schließlich aufgab. Born erinnert sich, dass damals ein Gewitter herrschte und Minkowski halb scherzhaft meinte, der Himmel zĂŒrne ĂŒber seine Vermessenheit.

Auch Ernst Witt versuchte sich in den 1930er Jahren als Student an dem Beweis und prÀsentierte ihn Richard Courant; sein Freund Heinrich Heesch fand aber einen Fehler, was der Beginn dessen eigener BeschÀftigung mit dem Problem war.

Andere Mathematiker, die sich mit dem Problem beschÀftigten und bedeutende Teilresultate erzielten, waren Øystein Ore (der die Mindestanzahl der Gebiete, die mit vier Farben einfÀrbbar sind, auf 40 erhöhte) und Hassler Whitney (in seiner Dissertation aus 1932).

Es gibt auch algebraisch Àquivalente Formulierungen (Howard Levi, Juri Wladimirowitsch Matijassewitsch, M. Mnuk, Noga Alon).cite-ref-9[9]

Kempes falscher Beweis

„Beweis“

Alfred Kempe versuchte 1879 als einer der ersten Mathematiker, einen Beweis des Vier-Farben-Satzes zu finden. Seine Idee, sogenannte Kempe-Ketten zu verwenden, findet sich noch heute im computergestĂŒtzten Beweis wieder. Kempes Beweis war jedoch fehlerhaft, wie Percy Heawood 11 Jahre nach dessen Veröffentlichung feststellte. Der Beweis beruht auf einer Induktion ĂŒber die Anzahl der Knoten des Graphen.

Zuerst lĂ€sst sich feststellen, dass nur Triangulierungen beobachtet werden mĂŒssen. Andernfalls können wir Kanten hinzufĂŒgen, ohne neue Knoten zu definieren. Durch das HinzufĂŒgen der Kanten wird die KomplexitĂ€t der FĂ€rbung somit erhöht. Ist diese Triangulierung vierfĂ€rbbar, so ist es auch der zugrunde liegende Graph. Somit gehen wir ohne BeschrĂ€nkung der Allgemeinheit davon aus, dass der zu fĂ€rbende Graph G {\displaystyle G} trianguliert ist.

Nach einer Folgerung aus dem Satz von Euler gibt es in planaren Graphen stets einen Knoten v {\displaystyle v} , dessen Grad kleiner oder gleich fĂŒnf ist, also maximal fĂŒnf Nachbarn besitzt. Diesen Knoten entfernen wir im ersten Schritt und fĂ€rben den Graphen G ∖ ∖ v {\displaystyle G\setminus v} mit vier Farben, was nach der Induktionsvoraussetzung möglich ist. FĂŒr Knoten v {\displaystyle v} können nun nach dem EinfĂŒgen folgende drei FĂ€lle auftreten:

1. v {\displaystyle v} besitzt drei oder weniger Nachbarn. In diesem Fall ist auf jeden Fall eine der vier Farben fĂŒr v {\displaystyle v} ĂŒbrig, da in der Nachbarschaft maximal drei Farben benutzt werden konnten.
2. v {\displaystyle v} besitzt vier Nachbarn. Es ist davon auszugehen, dass diese in vier verschiedenen Farben gefĂ€rbt sind, sonst gehe zu Fall 1. Gehen wir davon aus, dass die Knoten v 1 {\displaystyle v_{1}} und v 3 {\displaystyle v_{3}} nicht durch eine grĂŒn-rote Kette verbunden sind, so können wir die Farben grĂŒn und rot in der Komponente von v 1 {\displaystyle v_{1}} tauschen. Wir fĂ€rben also all diejenigen Knoten um, die auf einem Pfad im Graphen G {\displaystyle G} liegen, der in v 1 {\displaystyle v_{1}} beginnt und nur rote oder grĂŒne Knoten benutzt. Nach diesem Vorgehen ist der Knoten v 1 {\displaystyle v_{1}} in rot gefĂ€rbt. Da nun kein grĂŒner Knoten in der Nachbarschaft von v {\displaystyle v} mehr existiert, kann dieser grĂŒn gefĂ€rbt werden. Andernfalls muss eine Kette zwischen v 1 {\displaystyle v_{1}} und v 3 {\displaystyle v_{3}} existieren (siehe dafĂŒr Skizze Fall 2). Nach dem Jordanschen Kurvensatz kann es nun jedoch keine zweite Kette zwischen v 2 {\displaystyle v_{2}} und v 4 {\displaystyle v_{4}} geben. Dies bedeutet, v 2 {\displaystyle v_{2}} ist durch die rot-grĂŒne Kette von v 4 {\displaystyle v_{4}} isoliert. Somit können mit analoger Argumentation die Farben blau und gelb im Teilgraphen getauscht werden, der v 2 {\displaystyle v_{2}} enthĂ€lt. Demnach kann v {\displaystyle v} in blau gefĂ€rbt werden.
3. v {\displaystyle v} besitzt fĂŒnf Nachbarn mit vier Farben. Wiederum werden Kempe-Ketten benutzt. Mit analogem Vorgehen zu Fall 2 existieren Ketten von v 1 {\displaystyle v_{1}} zu v 3 {\displaystyle v_{3}} und v 4 {\displaystyle v_{4}} . Andernfalls lĂ€sst sich v 1 {\displaystyle v_{1}} und die daran hĂ€ngende Komponente in blau bzw. gelb umfĂ€rben, wodurch die Farbe rot fĂŒr v {\displaystyle v} frei werden wĂŒrde. Nun wird jedoch der Knoten v 2 {\displaystyle v_{2}} von v 4 {\displaystyle v_{4}} isoliert. Dadurch kann v 2 {\displaystyle v_{2}} in gelb gefĂ€rbt werden, ohne dass v 4 {\displaystyle v_{4}} die Farbe Ă€ndert. Ebenfalls wird v 5 {\displaystyle v_{5}} von v 3 {\displaystyle v_{3}} isoliert, wodurch sich v 5 {\displaystyle v_{5}} blau fĂ€rben lĂ€sst, ohne die FĂ€rbung von v 3 {\displaystyle v_{3}} zu Ă€ndern. Zusammenfassend wurde somit die Farbe grĂŒn aus der Nachbarschaft von v {\displaystyle v} gelöscht, sodass dieser grĂŒn gefĂ€rbt werden kann.

In jedem Fall lĂ€sst sich also eine Farbe fĂŒr den Knoten v {\displaystyle v} finden, was den Induktionsbeweis abschließt.

Fehler im Beweis

Kempe ĂŒbersah dabei, dass das UmfĂ€rben einer Komponente die isolierende Kette der anderen Komponente beschĂ€digen kann. Als Beispiel dafĂŒr dient der Errera-Graph (Siehe Grafik rechts). Wir erhalten eine fehlerfreie induktive FĂ€rbung nach Kempes Methode bis zum Knoten 1. Bei diesem befinden wir uns im obigen Fall 3, Knoten 1 besitzt also fĂŒnf Nachbarn in vier Farben. Wir beobachten dabei ebenfalls die eben vorgestellten Kempe-Ketten (rot-blau von Knoten 5 zu 17, rot-gelb von Knoten 3 zu 17, siehe Skizze Errera-Graph). Dabei werden die beiden grĂŒnen Nachbarn isoliert. Knoten 12 ist hierbei getrennt vom gelben Knoten 3. Nach der Kempe-Methode wird somit Knoten 12 gelb gefĂ€rbt, was Knoten 7 in dessen Nachbarschaft ebenfalls umfĂ€rbt, wodurch dieser grĂŒn wird. Dieses UmfĂ€rben von Knoten 7 bricht nun die zweite beschĂŒtzende rot-gelbe Kette. Knoten 10 ist nun nicht weiter von Knoten 5 isoliert und es entsteht eine grĂŒn-blaue Kette zwischen diesen beiden. Es ist also nicht möglich, Knoten 10 umzufĂ€rben, ohne die Farbe von Knoten 5 zu Ă€ndern. Somit befinden wir uns in derselben Situation wie zu Beginn, Knoten 1 besitzt fĂŒnf Nachbarn in vier Farben, wobei nun die Farbe gelb doppelt auftritt. Dadurch konnte keine Farbe fĂŒr v {\displaystyle v} freigemacht werden. Die Methode scheitert.

Fehlerhafte Beweise und Gegenbeispiele

Wie viele offene Probleme der Mathematik hat der Vier-Farben-Satz eine Menge fehlerhafter Beweise und Gegenbeispiele provoziert. Es wurde hierbei versucht, Karten als Gegenbeispiel zum Vier-Farben-Satz zu konstruieren. Manche dieser Konstruktionen hielten der öffentlichen PrĂŒfung ĂŒber Jahrzehnte stand, bis sie als falsch erkannt wurden. Viele weitere, hauptsĂ€chlich von Amateuren entwickelte, sind niemals veröffentlicht worden.

HĂ€ufig enthalten die einfachsten „Gegenbeispiele“ eine Region, welche alle anderen Regionen berĂŒhrt. Dies erzwingt eine DreifĂ€rbung aller anderen Regionen, um die VierfĂ€rbbarkeit der gesamten Karte zu gewĂ€hrleisten. Die Gegenbeispiele ĂŒbersehen dabei, dass durch UmfĂ€rbung des inneren Bereiches ebendieses erreicht werden kann, da sie sich zu sehr auf das Ă€ußere Gebiet stĂŒrzen.

Dieser Trick kann verallgemeinert werden; es ist leicht, Karten zu konstruieren, auf denen es unmöglich ist, mit vier Farben auszukommen, wenn die Farben einiger Regionen im Voraus festgelegt wurden. Ein oberflĂ€chlicher ÜberprĂŒfer des Gegenbeispiels wird oft nicht daran denken, diese Regionen umzufĂ€rben.

Andere falsche Gegenbeweise verletzen die Annahmen des Satzes, wie zum Beispiel durch Verwendung von Regionen, die aus mehreren getrennten Bereichen bestehen, oder durch Verbieten von gleichfarbigen Regionen, die sich nur an einem Punkt berĂŒhren.

Verallgemeinerungen

Das Vier-Farben-Problem ist ein Spezialfall der Heawood-Vermutung. Das klassische Vier-Farben-Problem betrifft Landkarten, die auf einer Ebene oder KugeloberflĂ€che liegen. Die Heawood-Vermutung stellt die analoge Frage fĂŒr allgemeine OberflĂ€chen, etwa die Kleinsche Flasche (6 Farben), das Möbiusband (6 Farben), die Projektive Ebene (6 Farben) und den Torus (7 Farben). Interessanterweise ist die Verallgemeinerung – abgesehen vom Spezialfall fĂŒr Ebenen oder KugeloberflĂ€chen – wesentlich leichter zu beweisen als der Vier-Farben-Satz und kommt ohne Computerhilfe aus. J. W. Ted Youngs und Gerhard Ringel konnten im Jahr 1968 erstmals die Heawood-Vermutung fĂŒr alle anderen FĂ€lle beweisen (Satz von Ringel-Youngs). Der Vier-Farben-Satz wird also nicht durch diesen Beweis verifiziert, sondern muss gesondert behandelt werden.

FĂŒr geschlossene orientierbare oder nicht orientierbare OberflĂ€chen mit positivem Geschlecht hĂ€ngt die maximal benötigte Anzahl n {\displaystyle n} der Farben von der Euler-Charakteristik χ χ {\displaystyle \chi } der OberflĂ€che ab und betrĂ€gt

n = ⌊ 7 + 49 − − 24 χ χ 2 ⌋ {\displaystyle n=\left\lfloor {\frac {7+{\sqrt {49-24\chi }}}{2}}\right\rfloor }

wobei die Klammern die Abrundungsfunktion bezeichnen.

Alternativ kann fĂŒr orientierbare OberflĂ€chen die Anzahl n {\displaystyle n} der Farben abhĂ€ngig vom Geschlecht g {\displaystyle g} der OberflĂ€che angegeben werden:cite-ref-10[10]

n = ⌊ 7 + 1 + 48 g 2 ⌋ {\displaystyle n=\left\lfloor {\frac {7+{\sqrt {1+48g}}}{2}}\right\rfloor }

Erweitert man die Aufgabenstellung des Vier-Farben-Satzes von OberflĂ€chen auf den dreidimensionalen euklidischen Raum, dann gibt es keine Obergrenze fĂŒr die Anzahl der Farben. Anstelle der „LĂ€nder“ treten dreidimensionale Gebiete („Körper“) auf, die unterschiedliche Farben haben sollen, wenn sie eine gemeinsame GrenzflĂ€che besitzen. FĂŒr jede Zahl n {\displaystyle n} lĂ€sst sich ein Beispiel konstruieren (Heinrich Tietze), das mindestens n {\displaystyle n} Farben benötigt. Man denke sich n {\displaystyle n} „lange“ kongruente Quader („Riegel“) nebeneinanderliegend, die zusammen einen Quader quadratischer GrundflĂ€che bilden. Darauf liegen noch einmal n {\displaystyle n} zu den ersten kongruente Quader nebeneinander, aber senkrecht zu den unteren, so dass alle unteren Quader alle oberen Quader berĂŒhren. Nun sei jeder der unteren mit genau einem der oberen verbunden, so dass beide gemeinsam kreuzweise einen Körper bilden. Jeder dieser Körper berĂŒhrt jeden anderen; man braucht also n {\displaystyle n} Farben und n {\displaystyle n} war beliebig.cite-ref-11[11]

Bemerkung

Wenn (so wie in der RealitĂ€t hĂ€ufig der Fall) ein Land auf mehrere nicht-angrenzende Gebiete verteilt ist (Kolonien, Exklaven, 
), dann ist der zugehörige Graph nicht notwendigerweise planar und es sind möglicherweise mehr als vier Farben zur FĂ€rbung notwendig. Auf PlanaritĂ€t kann man gegebene Graphen sehr schnell testen. Nach dem Satz von Kuratowski gibt es bestimmte Untergraphen, die die PlanaritĂ€t von Graphen verhindern. Es sind dies genau zwei Grundformen, die sogenannten Kuratowski-Minoren K 5 {\displaystyle K_{5}} und K 3 , 3 {\displaystyle K_{3,3}}, und darĂŒber hinaus ihre Unterteilungen. Durch eine geschickte Wahl der Datenstrukturen kann man diese „Untergraphen“ finden bzw. feststellen, dass es sie nicht gibt, indem man jeden Knoten und jede Kante nur konstant oft betrachtet.

Die kleinste mögliche FĂ€rbung in allgemeinen Graphen G {\displaystyle G} zu finden, mit anderen Worten die sogenannte Chromatische Zahl χ χ ( G ) {\displaystyle \chi (G)} zu bestimmen, ist eine sehr aufwĂ€ndige Aufgabe (genauer: in ihrer Entscheidungsvariante NP-vollstĂ€ndig). Nach den Aussagen von Tutte wĂ€re sie gelöst, wenn man im Dualgraphen G ∗ ∗ {\displaystyle G^{*}} eine kleinste Gruppe gefunden hat, sodass eine gruppenwertige Strömung (das ist ein „Fluss ohne Anfang und Ende“), die nirgends das Nullelement annimmt, existiert. Diese Gruppenordnung heißt Flusszahl φ φ ( G ∗ ∗ ) {\displaystyle \varphi (G^{*})} und es ist fĂŒr beliebige Graphen φ φ ( G ∗ ∗ ) = χ χ ( G ) {\displaystyle \varphi (G^{*})=\chi (G)} . Die Lösbarkeit dieses nach wie vor NP-vollstĂ€ndigen Problems ist unabhĂ€ngig von der Struktur der vorgegebenen Gruppe und hĂ€ngt nur von der Gruppenordnung ab.cite-ref-12[12]

Es gibt weitere ZusammenhÀnge des Vier-Farben-Problems mit Problemen der Diskreten Mathematik, sodass man auch Methoden der Algebraischen Topologie anwenden kann.

ZeitkomplexitÀt

Eine 4-FĂ€rbung zu berechnen, ist fĂŒr planare Graphen mit n {\displaystyle n} Knoten in Zeit O ( n 2 ) {\displaystyle O(n^{2})} möglich.cite-ref-rsst96-4-1[4] Dagegen ist die Entscheidung der Frage, ob auch drei Farben ausreichen, NP-vollstĂ€ndig.cite-ref-13[13]

Literatur

‱ Neil Robertson, Daniel P. Sanders, Paul Seymour, Robin Thomas: A new proof of the four-colour theorem. In: Electronic Research Announcements of the American Mathematical Society. 2/1996. S. 17–25.
‱ Kenneth Appel, Wolfgang Haken: Every Planar Map is Four Colorable. In: Contemp. Math. vol. 98, Amer. Math. Soc., Providence, RI, 1989.
‱ Georges Gonthier: A computer-checked proof of the Four Colour Theorem (PDF; 607 kB). unveröffentlicht, dazu Gonthier: Formal proof- the four color theorem, Notices AMS 2008 (PDF; 2,6 MB).
‱ Rudolf Fritsch, Gerda Fritsch: Der Vierfarbensatz: Geschichte, topologische Grundlagen und Beweisidee. BI-Wissenschaftsverlag, 2004, ISBN 3-411-15141-2 (PDF).
‱ Robin Thomas: An update on the four color theorem. Notices AMS 1998, Heft 7 (PDF).
‱ Gerhard Ringel: Das KartenfĂ€rbungsproblem. In: Selecta Mathematica III (Hrsg. Konrad Jacobs) (= Heidelberger TaschenbĂŒcher. Band 86). Springer, Berlin, Heidelberg, New York 1971, ISBN 3-540-05333-6 (MR0543809).
‱ Ian Stewart: Die letzten RĂ€tsel der Mathematik. rororo 61694. 2. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-499-61694-5, Kap. 4.
‱ Lutz Volkmann: Fundamente der Graphentheorie. Springer Verlag, Wien, New York 1996, ISBN 3-211-82774-9 (MR1392955).
‱ Robin Wilson Four colours suffice. Princeton University Press 2002, Review in den Notices AMS, 2004, PDF-Datei

Weblinks

Commons

: Vier-Farben-Satz

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Zusammenfassung des Beweises von Robertson, Sanders, Seymour, Thomas auf der Homepage von Robin Thomas (englisch)
‱ Simon Tatham’s Portable Puzzle Collection Das Spiel Map behandelt das Thema.
‱ Reformulating the Map Color Theorem von Louis H. Kauffman (PDF; 589 kB). Umformulierung des Vierfarbproblems unter BerĂŒcksichtigung von George Spencer-Browns Lösungsansatz in Laws of Form (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-wilson-11. ↑ Robin Wilson: Four Colors Suffice. In: Princeton Science Library. Princeton University Press, Princeton, NJ 2014, ISBN 978-0-691-15822-8.
cite-note-22. ↑ Gary Chartrand, Linda Lesniak: Graphs & Digraphs. CRC Press, 2005, S. 221 (englisch).
cite-note-33. ↑ Kenneth Appel, Wolfgang Haken (with the collaboration of J. Koch): Every Planar Map is Four-Colorable. In: Contemporary Mathematics. Band 98. American Mathematical Society, Providence, RI 1989, ISBN 0-8218-5103-9, doi:10.1090/conm/098.
cite-note-rsst96-44. ↑ Neil Robertson, Daniel P. Sanders, Paul Seymour, Robin Thomas: Efficiently four-coloring planar graphs. In: STOC’96: Proceedings of the twenty-eighth annual ACM symposium on Theory of computing. ACM Press, 1996, S. 571–575, doi:10.1145/237814.238005 (englisch).
cite-note-55. ↑ Georges Gonthier: Formal Proof—The Four-Color Theorem. In: Notices of the American Mathematical Society. Band 55, Nr. 11, 2008, S. 1382–1393 (englisch, ams.org [PDF]).
cite-note-lv-1-66. ↑ Lutz Volkmann: Fundamente der Graphentheorie. 1996, S. 254–255.
cite-note-is-1-77. ↑ Ian Stewart: Die letzten RĂ€tsel der Mathematik. 2015, S. 131–136.
cite-note-88. ↑ Born: Erinnerungen an Hermann Minkowski zur Wiederkehr seines 50. Todestages. Die Naturwissenschaften, Band 46, 1959, S. 501
cite-note-99. ↑ Four Color Theorem. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 12. Februar 2015; abgerufen am 12. Juni 2022.
cite-note-1010. ↑ Wolfram MathWorld: Map Coloring
cite-note-1111. ↑ Christoph Joachim Scriba, Peter Schreiber: 5000 Jahre Geometrie. 2. Auflage. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-22471-8, S. 454 und Abb. 7.8.3
cite-note-1212. ↑ Weitere Aussagen und SĂ€tze dazu in Reinhard Diestel: Graph Theory. Springer, 2000, ISBN 0-387-98976-5, S. 157 ff.
cite-note-1313. ↑ Michael R. Garey, David S. Johnson: Computers and Intractability - A Guide to the Theory of NP-Completeness. W. H. Freeman, 1979. ISBN 0-7167-1045-5, S. 87ff.